Vorurteil: Lesben sind männlich
Wenn Lesben als „männlich“ bezeichnet und umschrieben werden, dann bedeutet dies nicht, dass sie sich mit Männern identifizieren oder sich als solche fühlen, sondern lediglich, dass ihr Verhalten an eines erinnert, das in unserer Gesellschaft vornehmlich Männern zugeschrieben wird. Ein simples Rollenmuster also, basierend auf dem noch immer starren „Mann-Frau-Denken“. An dieser Stelle soll auch festgehalten werden, dass die Aussage „Lesben sind männlich“ per se völlig undifferenziert ist. Das Attribut „männlich“ ist hochkomplex und beinhaltet unter anderem die Ebenen der Kern-Geschlechtsidentität, der Geschlechts-Rolle und der Geschlechtspartner-Orientierung. Diese Unterscheidung wird im Volksmund in Bezug zu Homosexualität häufig nicht vorgenommen. Wenn wir davon ausgehen, dass Lesben sich in ihrer Kern-Geschlechtsidentität männlich fühlen, was wären dann Bisexuelle? Zwittrig? Dass dies keinen Sinn macht, liegt auf der Hand. Wenn Lesben also als „männlich“ beschrieben werden, dann ist dies sowohl entwertend wie auch ausgrenzend. Zudem sagt dies nichts über die einzelnen Personen aus. Es ist ganz einfach eine Schubladisierung, die auf falschen Annahmen basiert (vgl. Rauchfleisch 2001).

Vorurteil: Lesben sind pervers
Wenn Lesben als pervers bezeichnet werden, dann deshalb, weil sie gegen moralische, ethische und religiöse Wertvorstellungen verstossen. Gemäss diesen ist Frau dazu da, sich sexuell auf den Mann auszurichten. Vergnügt sie sich mit Gleichgesinnten, so ist dies ein zusätzlicher (ausserehelicher) Lustgewinn und stellt eine Gefahr für die Familie dar (vgl. Hofmann 2004). Diese Vorstellungen sind einerseits deshalb überholt, weil Frauen im Zuge des Feminismus und der sexuellen Revolution nicht mehr nur als willige Gebärmaschinen und Lustobjekte betrachtet werden sollten. Zudem werden Familien wegen uns nicht aussterben. Denn: Wie viele Ehen werden geschieden, weil Frau „plötzlich lesbisch wurde“ und deshalb ihren Mann verliess? Geben die steigenden Scheidungsraten wegen „unüberbrückbarer Differenzen“ nicht einen grösseren Grund zur Sorge? Was ist also pervers an Lesben? Dass wir keinen Geschlechtsverkehr mit Männern praktizieren wollen, sollte eigentlich niemandem wehtun – und auch niemand als Bedrohung auffassen. Wovor fürchtet sich die Gesellschaft also? Und weshalb sind Lesben-Pornos trotzdem – und vor allem – bei Heterosexuellen der Renner?

Vorurteil: “Wer ist bei euch der Mann in der Beziehung?”
Was bedeutet “der Mann“ in der Beziehung sein? Rasenmähen, Bier trinken und fette Autos fahren? Rechnungen zahlen, die Steuererklärung ausfüllen und die Haare kurz tragen? Wohl eher nicht. Daher muss zunächst die Frage geklärt werden: Wer oder was ist Mann, und wer oder was ist Frau? Zu berücksichtigen gilt, dass traditionell jede Gesellschaft die bestehenden biologischen Unterschiede nutzt, um soziale Rollen zuweisen zu können. So wurden einerseits Einstellungen und das Verhalten geprägt, sowie andererseits natürliche Unterschiede mit Sozialen und Kulturellen angereichert. Entstanden ist daraus folgende grundlegende Rollenverteilung: Der Mann ist sozial und sexuell aktiv, die Frau das Gegenteil (vgl. Haeberle 2003). Natürlich ist dies heutzutage nicht mehr in Stein gemeisselt. Und deshalb erstaunt obiges Vorurteil doch umso mehr. In welcher heterosexuellen Beziehung wird denn noch eine solch starre Rollenteilung gelebt? Und ist es nicht geradezu abstrus, ein lesbisches Paar, eine Verbindung von zwei Frauen also, danach zu fragen, wer der Mann in der Beziehung ist?