Vor ein paar Tagen las ich im Gratis-Blatt 20 Minuten von einer neuen US-Amerikanischen Krimi-Serie, die ab Frühling 2012 auf SF2 ausgestrahlt werden soll. In Anbetracht all der vielen Sendungen wie CSI ichweissnichtwo, NCIS, Criminal Intent, Criminal wasauchimmer, etc. ist diese Meldung eigentlich total uninteressant. Doch was mich aufhorchen liess, war die Tatsache, dass das Ermittlerteam im Falle von „Rizzoli & Friends“ aus zwei Frauen besteht. Zwei lesbischen Frauen. Die miteinander eine Beziehung führen. Also hab ich mir die ersten beiden Folgen gleich am selben Abend und voller Vorfreude angeschaut…

Intro

In Folge 1 werden wir als erstes Zeuginnen eines fiesen Doppel-Mordes. Da allenfalls auch zart besaitete Wesen diesen Artikel lesen, werde ich die folgenden Zeilen etwas zensieren: Ein Mann sitzt … auf einem Sofa. Seine Frau ist … und … im Hintergrund zu hören. Dann taucht der … auf, auf dessen … ein … prangt (damit die Ermittler ihn dann auch gut finden können). Er nähert sich der Frau, … sie, während ihr Mann … muss. Schnitt (im Sinne von Szenenwechsel).

Ermittlerin Jane Rizzoli (phonetisch: Rissssoulli) spielt Basketball mit ihrem Bruder und verlässt das Feld mit einer blutigen Nase. Sie ist optisch (abgesehen vom Blut im Gesicht) sicherlich nicht zu verachten, jedoch eher der toughe Frauen-Cop-Typ. Ihre Körpersprache, ihre Wortwahl, ihre Stimme, alles mutet doch irgendwie etwas männlich an. Ein Anruf auf ihr Handy (die Arbeit) rettet sie vor einer müssigen Familiendiskussion (ihre Mami à la: „Ihr tut jeweils so lange blöd, bis jemand von euch weint!“): Irgendwo sind Leichen aufgetaucht (die eingangs beschriebenen) und da muss Rizzoli jetzt hin. Neben den Toten gibt’s da auch lebendige Wesen, unter anderem Maura Isles, ihres Zeichens Gerichtsmedizinerin und das pure Gegenteil der Ermittlerin: Elegant, sexy, stilvoll.

Die Annäherung der Protagonistinnen

Der Umgang der Beiden ist, nun ja, etwas speziell. Irgendwas scheint in der Luft zu liegen. Ihre gegenseitige Bemusterung und Aufmerksamkeit füreinander sind intensiv. Maura kümmert sich denn auch eher um Janes blutige Nase denn um die wunderbar hergerichteten Mordopfer. Wie sich herausstellt, erinnern die Gräueltaten an das Muster des Sadisten Warren Hoyt, dessen Spezialität das Foltern und Töten, basierend auf ausgeprägten chirurgischen Kenntnissen, ist. Eines seiner früheren Opfer war Jane Rizzoli, die aber Gott sei Dank überlebt hat (sonst wäre sie jetzt ja auch nicht die Protagonistin der Serie). Da dieser aber zum Tatzeitpunkt im Gefängnis sass, hat er ein stichfestes (Wortspiel!) Alibi. Trotzdem ist Rizzoli’s Umfeld natürlich in Sorge, und so kommt es, dass die Ermittlerin bei Maura zu Hause unterkommt. Als im Laufe des Abends ein Mann an deren Türe klingelt, macht es ganz den Anschein, dass Jane keine grosse Freude daran hat. Sie legt sich ins Bett der Gerichtsmedizinerin und säuselt auf kokette Weise, als diese sich, ohne Begleitung, neben sie gesellt, den folgenden Satz: „Machen wir jetzt eine Pyjama-Party, oder ist das deine Art mir mitzuteilen, dass ich dir gefalle?“ Die Provokation wird galant ignoriert und das folgende Gespräch dreht sich um Männer. Hm.

Sind die nun lesbisch, oder nicht?

Was folgt ist die Aufklärung des Falls in angenehmen und ziemlich spannend erzählten 25 Rest-Minuten, angereichert mit einer guten Portion Charme und Witz. Die beiden Hauptdarstellerinnen ergänzen sich bestens, obwohl oder gerade weil sie so unterschiedlich sind. Aber: es gibt keine wirklichen Anzeichen dafür, dass sie lesbisch sein könnten – ausser, dass sie jeweils keinen Mann an ihrer Seite haben, Jane in Folge zwei Bier trinkt und von einer alten gestörten Frau als Lesbe beschimpft wird. Nachforschungen im Internet haben denn auch ziemlich schnell ergeben, dass der Journalist der Gratis-Zeitung 20 Minuten schlicht falsch informiert war – oder sich vielleicht etwas dumm dabei angestellt hat, Werbung für diese Serie zu machen. Natürlich wird bei Rizzoli & Isles bewusst mit lesbischen Klischees gespielt (siehe Bild 1). Dass dies für grosse Aufmerksamkeit sorgt, wissen wir spätestens seit dem Erfolg von Black Swan. Wer jedoch erwartet, dass sich in dieser Serie jemals so etwas wie eine lebsiche Beziehung zwischen den beiden Hauptdarstellerinnen entwickelt, wird höchstwahrscheinlich bitter enttäuscht.

Auf 20 Minuten online wurde der Artikel übrigens angepasst und mit folgendem Vermerk angereichert:

„20 Minuten Online berichtete irrtümlich, dass die Protagonistinnen in Rizzoli & Isles eine lesbische Beziehung führen. Ein Kommentar machte uns auf diesen Fehler aufmerksam.”

Ich gehe davon aus, dass die Mehrheit der Leserinnen und Leser diese Information nicht mehr gesehen haben – und einige davon eben genau deshalb einschalten werden, weil sie sich dunkel daran erinnern, dass bei dieser in den USA äusserst beliebten Serie ein lesbisches Paar im Fokus steht. Schade, ist dem nicht wirklich so. Ich persönlich hätte das in der mittlerweile wirklich unglaublich eintönigen Serien-Welt als durchaus erfrischend empfunden. Und es wäre auch ein Zeichen dafür gewesen, dass Serien mit homosexuellen Protagonistinnen und Protagonisten nicht einfach nur ein Nischenpublikum, sondern eben auch die breite Masse ansprechen können. Weil es schlicht egal ist, mit wem die Ermittlerin oder die Gerichtsmedizinerin nun ihr Bett teilen. Solange die Serie gut ist.