Gleich zu Beginn (um das Ende der Geschichte für alle Karnevals-/Faschingverachter vorweg zu nehmen): ich konnte keinen einzigen Dino finden, nicht einen.

Wie ich zum Karneval kam

Karneval ist für mich stilmässig eine Kombination aus Zoo, Playboy Mansion und Bad-Taste-Party, gespickt mit den Klamotten der Berufsbilder, die man als Kind unwahrscheinlich cool fand. In den Kostümen von Menschen tiefenpsychologisch etwas deuten zu wollen, würde immer auf „ich will Sex“, „ich habe genug Sex (und das nicht mit Dir)“ oder „ich wusste, ich würde für jedes andere Kostüm später zu betrunken sein“ rauslaufen. Und das ist wirklich gut so, denn wenigstens einmal im Jahr macht die Menschheit exzessiv das, was ihnen ihr persönlicher Stil sonst verbietet.

Nun ja, eine gute Freundin aus Schulzeiten hatte mich dieses Jahr eingeladen. Mit der Aussage, ich müsse meine Leidenschaft für Karneval eben noch lernen und ausserdem sei Karneval in Köln ja fast wie 5 Tage Homoparty am Stück. Also nichts wie hin. Mein Vorsatz war, dass ich jedes (weibliche) Geschöpf in einem Dinokostüm abschleppen würde. Ausserdem wollte ich alles ausprobieren, was zu Karneval sonst so klischeemässig dazugehört: Betrunken sein ab 10 Uhr morgens, 3 Tage wach, völliger Ausnahmezustand und ein wahres Lotterleben feiern. Soweit der Plan.

5+1 Erkenntnisse zum Karneval in aller Kürze

Anstatt einer chronologischen Abfolge meines Karnevals möchte ich lieber chaotisch meine Erkenntnisse, gewonnen durch die herausragendsten Erlebnisse, auflisten. Jede kann sich daraus dann eine individuelle Geschichte zu meinem Karneval zusammenbasteln:

  1. Karnevalsmusik wird nicht proportional zum eigenen Alkoholpegel besser, sondern steht in Relation zur Begleitung. Irgendwie gewöhnt man sich daran.
  2.  Schwule Kerle sind wahre Verkleidungskünstler, geben phantastische Kampflesben ab, und ihnen beim Aufstylen behilflich zu sein, damit sie dann als Super-Dragqueens Burschenschaftspartys stürmen können, ist ein unwahrscheinlich herrliches Erlebnis.
  3. Auch eine Blondhaar-Perrücke zählt als vollständige Verkleidung, wenn man sie geschickt mit einer hässlichen Sonnenbrille kombiniert und dazu ein Duckface macht. An dieser Stelle sei eine betrunkene Weisheit zitiert: „Wir brauchen keinen Priester, wir haben eine Blondine dabei.“ Ja, ein blöder Spruch zählt gelegentlich auch als Kostüm.
  4. Frau kann jede unangenehme Situation beenden, indem man sie Polonaise (oder Karawane oder Menschenschlange) startet. Dann ist einem auch niemand böse, egal was man vorher gesagt oder getan hat.
  5. Lady Gaga ist doch ein Mann und wird lustiger, je häufiger man sie sieht. Am liebsten 3  „Lady“ Gagas nebeneinander, wie sie zu „Paparazzi“ just dancen und nochmal 10, die Ihnen mit Pokerfaces und Telefonen das ganze begeistert dokumentieren. Born this way, hurra.

+   1 Es kommt nicht darauf an, was Du feierst, sondern mit wem.

Wat wor dat en superjeile Zick!

Zu (meinem) Karneval gehörten neben dem Eröffnen der Grillsaison bei 5° Grad im Regen auch das Frühstücken von Bier und Pizza und endloses Lachen über alles Mögliche und Unmögliche. Aber ebenso Diskussionen über (Gender-)Politik, die Frage „wie geht‘s Dir wirklich?“ und das Kennenlernen neuer, grossartiger Menschen.

Schlussendlich habe also ich nicht einen Dino finden können. Und auch sonst nichts, das ich in die Ecke hätte zerren wollen. Aber trotzdem war‘s irgendwie gut. Oder wie Frau in ,Kölle‘ sagt: „Wat wor dat en superjeile Zick!“