Das Einzige, was ich in letzter Zeit noch häufiger gehört habe, als die Aussage „ich bin völlig beziehungsunfähig“, ist die Behauptung „ich bin echt nicht eifersüchtig“. Diese Aussage und das fast immer darauf folgende „aaaaaber…“ haben in mir den Wunsch geweckt, mich mal näher mit Eifersucht zu beschäftigen.

Was ist Eifersucht?

Laut Sprachforschern setzt sich das Wort aus „ai“ für Feuer, „eiver“, was so viel wie „das Herbe“ oder „Erbitterung“ bedeutet, und „suht“ (Krankheit, Seuche) zusammen. Also eine herbe Feuerseuche. Im übertragenen Sinne. Denn es handelte sich hierbei seit jeher um einen Begriff, der sich auf einen emotionalen Zustand bezieht. Der Zustand in dem „echte“ Eifersucht auftaucht, ist ein subjektiv wahrgenommener Verlustmoment. Beispielsweise in der Bindung zwischen Menschen. Wobei immer wenigstens drei Parteien Vorraussetzung für Eifersucht sind: Ein „Objekt der Begierde“, eine „Bedrohung / ein Eindringling“ und einen „Eifersüchtigen“, selbstverständlich. Das übliche „Eifersuchtsdreieck“ muss ich nicht beschreiben. Eifersuchtsvorwürfe gehen von Bevorzugung über Untreue bis hin zu Abweisungen oder Negierungen. Ich unterstelle einfach, dass das jede schon mal erlebt hat – ob aktiv oder passiv.

Was macht Eifersucht so schwierig?

Im Grunde ist Eifersucht das sichtbare Symptom einer heftigen Verlustangst. Einer Angst, ohne den Anderen (effektiv oder nur eingebildet) nicht überleben zu können. Und wie das mit den meisten Ängsten so ist, sind sie das Ergebnis einer inneren Unsicherheit. Und ich meine damit nicht das Misstrauen gegenüber dem Partner. Verlustangst zeigt auf eindrückliche Art und Weise auf, dass das eigene Selbstwertgefühl grade nicht so stark vorhanden ist, wie es das sein sollte. Genauer betrachtet liegt das „Problem“ somit gar nicht beim Anderen, einer dritten Person, oder deren allfälliger Verbindung, sondern darin, dass man nicht erkennt, wie stark und einzigartig die Beziehung zum Partner ist. Die Eigenliebe ist also zu wenig ausgeprägt, und so muss die Liebe des Bindungspartners nicht nur ihren Eigenzweck erfüllen, sondern auch noch dieses Defizit ausgleichen. Und warum ist das so schwierig? Genau, weil nahezu jeder Mensch zu Unsicherheitsmomenten und Selbstbewusstseinslücken neigt. Und auch Jede irgendwann mal eine Andere kennt, die sie lieber hat, als alle Anderen, der sie selbst am Nächsten sein möchte, die sie nicht verlieren will. An niemanden.

Und nun zu den Eifersuchtslosen…

Von Natur aus bin ich nicht gewillt, jemandem zu glauben, der von sich behauptet, nicht eifersüchtig zu sein. Und wiedermal muss ich mich da selbst mit einschliessen, weil ich auch sehr lange davon ausging, dass ich nicht eifersüchtig bin. Bin ich nämlich doch. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt nur niemanden gern genug, um das zu erkennen. Es ist also die Frage, ob jemand, der von sich behauptet, nicht eifersüchtig zu sein, einfach nur ein phantastisches Selbstwertgefühl hat, und sich dadurch seiner Verbindung zu einem Anderen zu sicher ist, oder aber einfach niemanden wirklich doll mag. Oder ein Soziopath ist. Das ist selbstverständlich auch möglich, aber irgendwie ein bisschen gruselig.

Offen zur eigenen Eifersucht zu stehen, ist aber auch schwierig (geworden?). Frau möchte ja nicht kompliziert erscheinen. Oder einengend. Oder gar unterbewusst ihr nur wenig ausgeprägtes Selbstvertrauen preisgeben. Oder zu ihrer Schwäche für einen Menschen stehen. Oder oder oder. Und schneller hat Frau behauptet, nicht eifersüchtig zu sein, als sie überhaupt darüber nachdenken konnte, was sie da wirklich sagt. Und was das eigentlich bedeutet. Oh, und am Schlimmsten finde ich diejenigen, die es sagen, und dann mit einem „aber“ weitersprechen. Frei nach dem Motto: ich bin nicht eifersüchtig, aber ich will nicht, dass die dich anpackt / aber ich teile eben nicht gerne / etc. Im Übrigen sind Eifersucht und Neid nicht das Gleiche. Bei Neid möchte man etwas von einem Anderen haben, bei Eifersucht will man etwas nicht an einen Anderen verlieren.

Aber was mach‘ ich jetzt mit diesem Wissen?

Ehrlich sein und weiter atmen. Auf die Frage „Bist du eifersüchtig?“ anstatt mit „nein“ mit einem „Ja, denn ich habe dich gern, und ich habe Angst, dich zu verlieren“ antworten. Und sollte Frau das Bedürfnis hegen, das alle fünf Minuten sagen zu wollen, mal sich selbst hinterfragen, in sich hineinhören, anstatt die Andere mit allen (un)möglichen Vorwürfen zu bewerfen. Klar, sollte Frau nach gründlicher Selbstanalyse nichts gefunden haben, muss ein offenes Gespräch gesucht werden. Das gute, alte „bis 10 zählen“ von Omi hilft auch – wenigstens, um Frau von etwas WIRKLICH Dämlichen abzuhalten. (Wenn ich noch mal irgendwo „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ in Bezug auf einen geliebten Menschen lesen muss, dann laufe ich Amok für den Weltfrieden!)

Den Eifersuchtsteufel in uns gänzlich zu bekämpfen ist kaum möglich, ist sie doch unsere verdrehte Art uns zu sagen, dass wir jemanden ehrlich mögen, und nicht verlieren wollen. Vielleicht sollten wir uns aber ein bisschen mehr mit diesem Menschen, damit er nicht 24/7 rumspringt und nörgelt. Denn das Schlimme ist: wir können ja nicht bloss im Bezug auf unsere Liebste eifersüchtig sein, sondern auch im Bezug auf Kollegen, Geschwister, und auch sonst alles, was einen Schatten wirft.

[youtube]http://www.youtube.com/watch?v=uWPfQHadg48[/youtube]